Figurenbeuten und Bannmasken - eine Tradition imkerlicher Volkskunst lebtDie Ausdehnung
Ist es noch zu früh für diesen Ausruf? Ist es noch zu früh, von einer Renaissance der Figurenbeuten zu sprechen? Reicht das Netz an Figurenbeuten aus, das sich aus meiner Arbeit der vergangenen letzten 13 Jahre gebildet hat, um den Raum der unweigerlich mit einer Tradition verwoben ist eindeutig zu bestimmen?
Eine Tradition lebt, daß bedeutet, sie dehnt sich weiter aus. Die Ballungszentren der historischen Figurenbeuten wurde von der Wissenschaft im osteuropäischen Raum ermittelt. Ich habe mich oft gefragt, ob das daran lag, daß dort auch jemand gesucht hat. Es ist eine mühselige Frage, warum in manchen Gebieten die Figurenbeute geschnitzt wurde und anderenorts nicht. Hatten die Leute des Ostens, ganz allgemein ausgedrückt mehr Muße,Figurenbeutenzu schnitzen? Klar ist, daß wenn Imkerei und Schnitzkunst, oder sei es die Holzverarbeitung ganz allgemein, in einer Region insbesondere zusammentrafen, die Wahrscheinlichkeit größer war, daß es hier Figurenbeuten gab.
Das Selbstverständnis des Imkers
Auch der Stolz des Imkers scheint mir ein entscheidendes Motiv für die Entwicklung der imkerlichen Volkskunst im allgemeinen. Ist nicht er es, der es versteht, dieses doch wilde und gefährliche Insekt zu beherrschen, ohne es jemals wirklich zähmen zu können. Ist nicht er es, der diesem wehhaften Insekt das Süsseste zu entlocken vermag, was die Natur uns zu bieten hat?
Dann kam der Zucker, das Paraffinwachs, und der Importhonig. Das hat dem Selbstverständnis des Imkers zugesetzt. Die Bauern spezialisierten sich im Konkurrenzdruck, des neu entstandenen europäischen Wirtschaftsmarktes. Für die Bienenhaltung blieb keine Zeit mehr.
Die Renaissance des Imkers
Dennoch der Imker gewinnt an öffentlicher Aufmerksamkeit, denn er hat etwas, für uns Menschen ausserordentlich wichtiges zu schützen: die Biene.
Und das beginnt uns bewußt zu werden. So wird derzeit Albert Einstein zitiert, daß der Mensch noch vier Jahre zu leben hätte, wenn es die Biene nicht mehr gäbe. Ganz gleich, wie er das wohl ausgerechnet haben mag, es zeigt, daß auch ihm schon der Gedanke vorschwebte, es könne eines Tages die Bienen nicht mehr geben.
Ganz nüchtern betrachtet, wir leben in einer Zeit des Verschwindens. Wir haben es täglich mit dem Verschwinden zu tun. Das Verschwinden der Natur, von der wir uns scheinbar abgenabelt haben. Wir leben in der Spanne, der bitteren Erkenntnis das Verschwinden nicht aufhalten zu können und dem täglichen Kampf des Bewahrens. Vielleicht liegt auch hier ein Punkt für die Wiederentdeckung und der Freude über die Tradition der Figurenbeuten.
Diese Tradition gilt es, in dieser Angst des Festhaltens nicht nur zu konservieren, sondern sie weiter zu leben. Das heißt, es muß nicht nur gefragt werden, wo gab es früher Figurenbeuten, sondern es kann auch gefragt werden, wo gibt es sie heute und wie entstehen sie? Kann sie ein kleiner Beitrag, eine kleine Nische zum Schutz der Bienen sein?
Die urbanisierte Biene
Ein neuzeitlicher Begriff, der mir besonders gefällt in diesem Zusammenhang. In Paris gibt es eine Vereinigung für die urbanisierte Biene, l'Association pour des Abeilles urbanisées, hier geht es um eine Vereinigung von Imkern, die das Leben der Bienen im Stadtraum vorantreiben. Die Tracht ist gut in der Stadt, die Akzeptanz der Bevölkerung kann nur besser werden. Ich persönlich sehe hier auch den Lebensraum der Figurenbeute, sie gehört zu Kultur und Leute. |