Die Preisverhandlung
Wie groß wird das Projekt? Stehe ich vor Publikum und habe den Auftrag über meine Arbeit, über den Auftraggeber und über die Tradition der Figurenbeuten zu informieren? Wie aufwendig ist das Beutensystem? Mobilwabenbau oder Stabilwabenbau? Handelt es sich um eine Portraitfigur, wie zum Beispiel beim Schwiegerelternpaar? Oder um eine historische Persönlichkeit. Sind es mehrere Figuren gleichzeitig, wie Herzogin Eleonore mit dem Welfenroß? Hat der Stamm mehr als drei Meter Höhe? Das sind alles Fragen, die den Preis mitbestimmen. Informiere und schnitze ich vor Ort, muß ich etwa einen Monat mehr einrechnen. Einen Bären zu schnitzen geht aufgrund meiner Erfahrung grundsätzlich schneller als eine Portraitfigur. Für ein Portraitentwurf ist eine intensive Zusammenarbeit mit dem Kunden wichtig. Auch für historische Persönlichkeiten sind einige Recherchen zu führen, Museumsbesuche, Gespräche mit Historikern und Biographen. Für das Beutensystem ist es viel zeitaufwendiger, wenn ein mobiles Rähmchenmaß eingearbeitet werden muß, mit einem Spielraum von 6-9 mm beespace, als wenn ich die Beute für den Stabilwabenbau vorbereite. Alles in allem pendelt sich der Grundpreis ohne Transport seit einigen Jahren auf etwa 6000,- EUR pro Figurenbeute ein. |
Auftrag und Tonmodell
Sind die Konditionen klar abgesteckt, kommt es zu einem Auftrag. Das Tonmodell Ich erstelle unter Berücksichtigung aller Informationen, die ich zusammen mit dem Kunden erarbeitet habe, und der eigenen Recherchen ein Tonmodell. Dieses steht normalerweise im Maßstab 1:10 zur Größe der Figurenbeute. Die Besprechung des Tonmodells/Präsentationsmappe Ich stelle meinem Entwurf dem Kunden vor, und auch zur Diskussion, um wirklich sicher zu gehen, ob wir vom Gleichen sprechen. Das Tonmodell dient dazu, unsere Vorstellungen anhand einer dreidimensionalen Vorlage anzunähern. |
Schauschnitzen ja oder nein
Ich biete an, mich mit meiner sozusagen rollenden Werkstatt vor Ort einzurichten. Mein Auftraggeber kann durch meine Arbeit auf seine Institution aufmerksam machen. Es kann aber auch sein, daß der Transportweg zu viele Nachteile mit sich bringt, daß es sinnvoller ist die Figurenbeute vor Ort zu entwickeln. Die allgemeine Akzeptanz gegenüber der Skulptur wächst, wenn der Entstehungsprozess öffentlich miterlebbar ist. |
Stammsuche
Es kann sehr zeitaufwendig werden, den richtigen Stamm für das jeweilige Projekt zu finden. Schnitze ich vor Ort, werde ich mich auch vor Ort nach einem Stamm umsehen. Die letzten Jahre habe ich ausschließlich Eichenstämme bearbeitet. Diese müssen im allgemeinen zwischen zwei und drei Meter Länge besitzen. Der Durchmesser sollte auf die Gesamtlänge etwa 80 cm sein. Im Schwarzwald habe ich Tannen mit diesem Durchmesser bekommen, in der Provence ist mir eine Lärche verkauft worden, das heißt, auch Nadelbäume eignen sich für Figurenbeuten. Ich suche Stämme, die sowieso gefällt werden mussten, bei Förstern, beim Bauern direkt, oder wenn es schnell gehen muß im Sägewerk. Abgelagert oder nicht, diese Frage ist weniger wichtig, als angenommen. Ganz frisch geschnitten ist das Holz selten. Was natürlich den Vorteil hätte, daß der Zeitpunkt des Fällens bekannt ist. Trotdem ist es für mich aussagekräftiger, wenn der Stamm schon ein paar Jahre liegt. Wie reisst ein Stamm, das ist immer eine spannende Frage. Es kommen hier so viele Faktoren zusammen, daß es viel Erfahrung braucht, um in etwa vorauszusehen was passiert. Reissen wird er immer, arbeiten auch, es ist nur die Frage, wie. Dabei spielt eine Rolle, zu welcher Jahreszeit der Stamm bearbeitet wird. Steht er in der prallen Sonne, wie gleichmäßig wird er herausgehauen, und wie weit wird er für die Bienen ausgehöhlt. |
Transport des Stammes vom Wald zum Schnitzplatz
Ist der richtige Stamm gefunden, muß er auch aus dem Wald geholt werden. Es reicht nicht, den Stamm, der oft mehr als eine Tonne wiegt nur aufzuladen, er muß auch an meinem Schnitzort aufgestellt werden. Dazu ist oft ein Kranwagen notwendig, Gabelstapler können gefährlich sein. Angenehm sind Frontladern, oder ganz praktisch ist es, wie in Bremen wenn ein Radlader zur Verfügung steht. Bisher haben wir immer eine Lösung gefunden, die Imker sind praktische Leute, die auch gute Kontakte pflegen. Und wenn wir mit einem Dreifuß und einem Flaschenzug dran, den Stamm hochziehen müssen (siehe Figurenbeute Goethe) Umsetzung in Holz Zwei Messkluppen, zwei Meterstäbe, ein Kreidestift, zwei Elektromotorsägen, ein Dutzend Ketten für jede, ein Schleifgerät und meine Schnitzeisen, das ist im Groben mein Arbeitsmaterial. Das ist mein Werkzeug, um das Tonmodell 1:10 ins Holz zu übersetzen. |
Das Beutensystem
Für das Beutensystem ist es von Vorteil, wenn eine Schreinerei in der Nähe ist. Die Latten für die Trägerleisten, oder für die Wabenrähmchen müssen oft extra angefertigt werden. Der Rahmen für die Fensterscheibe ist selten im rechten Winkel, d.h. viel Handarbeit ist notwendig um ihne genau an die Öffnung einzupassen. Dasselbe gilt für die Glasscheibe. Die Türe wird als erster Arbeitsschritt von hinten keilförmig herausgeschnitten. Dann wird sie leichter gesägt und zuletzt mit Scharnieren eingepasst. Für die Isolierung zwischen Tür und Fenster leiste ich mir den Luxus von einer Filzerin passgenau eine Filzmatte anfertigen zu lassen. Filz hat hierfür günstige Eigenschaften. Die Scheibe wird noch einmal kräftig angedrückt, die Türspalte werden abgedunkelt. Diese in kräftigen Farben leuchtenden Filzmatten geben der Beute noch etwas Heiliges. Es ist als wenn wir einen Altar öffnen würden, wir wissen, daß wir uns es nur für einen kurzen Moment erlauben, ins Stockdunkle der Bienen vorzudringen. |
Das Flugloch
Es ist das wichtigste Detail einer Figurenbeute. Am Flugloch entäußert sich das Leben der Bienen. Dort, wo das Flugloch sitzt kommt der Figur die größte Aufmerksamkeit zu. Es soll günstig für die Bienen liegen, und nicht als Art Schornstein die warme Luft nach Aussen leiten. Es soll für andere Tier nicht allzu einladend sein, dennoch aber praktisch für die Bienen zum Hinausbefördern des Gemülls. Der Akt, das Flugloch zu stechen ist mit einer gewissen Aufregung verbunden. Es kann mit einem Schnitt viel kaputt gehen. Es ist die Verbindung von Aussenraum zum Innenraum. Das macht ein Stück weit den Eindruck, als würde die Vollkommenheit der Skulptur zerstört. Sie wird zum Gebrauchsgegenstand. Das macht sie für mich wertvoll. Die Skulptur ist ganz objektiv zu etwas nutze. Sie dient der Natur, und gehört zur Kultur. Trockenstellen der Figur Jetzt muß die Figur unter Dach. Die Bemalung wird vorbereitet. Bisher war es wichtig, daß ich unter freiem Himmel arbeiten kann. Die Schatten, welche ein Dach werfen würde, könnten ein Lächeln zu einem anteilnahmslosen Blick werden lassen. Die Wirkung, hauptsächlich der Gesichtszüge habe ich nur im Griff, wenn ich von den Lichtverhältnissen ausgehe, unter denen die Figur auch an ihrem Aufstellungsort steht. Die Bemalung Ich benutze seit vielen Jahren schon die gleichen Lasuren und Öle. Sie sind atmungsaktiv, leicht zu verarbeiten, wetterfest, gut mischbar, für Bienenhäuser absolut unbedenklich, geruchsarm, und mit einer schönen Pigmentierung. Die Schichten müssen in genau abgemessenen Zeitabständen aufgetragen werden, die Verarbeitungstemperatur muß passen. Durch die Farben bekommt die Figur ihre Fernwirkung, was bei Figurenbeuten wichtig ist, da man eher nicht direkt davor steht. Die Tradition der Figurenbeuten ist sehr bunt, sprich volkstümlich. An diesen Kanon halte ich mich gerne, auch wenn im Moment der Trend eher zum naturbelassenen geht. Durch die Bemalung wird das Holz geschützt und der Austrocknungsprozess des Holzes verlangsamt. Transport zum Kunden Ist die Bemalung gut druchgetrocknet kommt der Kranwagen. Dabei ist es wichtig, vorher abzuklären, wie weit die Figur gehoben werden muß, wie nahe kommt der LKW an den Standort der Figur heran. Muß er die Figurenbeute, die dann vielleicht noch mindestens 500 kg wiegt zwanzig Meter weit über den Gartenzaun heben, oder nur einige Meter. Dementsprechend muß der Kranaufbau sein. Unde je größer der Kran, um so teurer der Transport. Schließlich geht es auf die Reise. Standort mit Kiesbett oder Betonsockel vorbereiten Der Kunde sollte den Standort vorbereiten damit wir die Figurenbeute gleich bei Ankunft aufstellen können. Das Kiesbett hat zum Vorteil, daß es wie eine Art Drainage wirkt. Außerdem kann die Figurenbeute auch noch nach dem Aufstellen ausgerichtet werden. Der Betonsockel hat den Vorteil, daß die Figur fest verschraubt werden kann. Das wird oft bei öffentlichen Standorten bevorzugt. Die Einweihung Fertig ist die Figurenbeute, wenn die Bienen eingezogen sind. Dann gibt es noch mal ein richtiges Fest. Mit einem Tanz um den Bären. |
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